Mein Leben in der analogen und digitalen Welt

oder: warum ich diesen Blog schreibe

Die Überschrift zu meinem ersten Blogbeitrag fiel mir ein, als ich mit meiner 10 Jahre alten Tochter unterwegs war, um ihr das erste Smartphone zu besorgen. Wir hatten ihr das schon vor langer Zeit für den Wechsel ans Gymnasium versprochen.  Ich erinnerte mich  zurück: als ich 10 Jahre alt war, war mein Walkman DAS Highlight für mich. Ich liebte es, damit meine Kassetten abzuspielen.

Ich dachte an unseren ersten Fernseher mit Antenne und nur zwei Programmen. Das Festnetztelefon. Den alten Fernschreiber im Büro meines Vaters. An die Faxgeräte und Schreibmaschinen. Die alten Kameras, in die man einen Film einlegen und diesen dann zum entwickeln bringen musste.

Ich erlebte das aufkommen und sterben der Videorecorder, VHS-Kassetten, die Geburt der CDs, der Pager, der ersten PCs für den Heimgebrauch und natürlich der Mobiltelefonie und des Internets für jedermann.

Die ersten 20 Jahre meines Lebens verbrachte ich in der einen Welt – der nicht-digitalisierten. Wenn man sich verabredete, musste man eben da und pünktlich sein, man schrieb Briefe, und zwar mit der Hand oder einer Schreibmaschine. Wenn man verreiste, hatte man eine immer Karte dabei, und langes stöbern nach neuen Schallplatten im Fachgeschäft gehört zu einer meiner schönen Erinnerungen.

Ich war Anfang 20, als meine Eltern mir mein erstes Handy schenkten.  Die 90er Jahre gingen zu Ende, die Jahrtausendwende stand vor der Tür. Und die Digitalisierung brach über mich herein.  Mit einer rasanten Entwicklung, die mich auch jetzt noch in Erstaunen versetzt.  Smartphones, Tablets, Navis, Blurays, MP3-Player, digitale Foto- und Musikspeicherung, Internet. Mein Leben in der anderen Welt begann, und ich dachte und denke immer noch:

Boah, ist das geil!

Foto: Pexels

Den geschätzten Leser, der jetzt ein „früher war alles besser“ erwartet hat, muss ich enttäuschen. Ich bin überwältigt und begeistert von den Möglichkeiten, die uns heutzutage geboten werden.

Als meine beiden Kinder geboren wurden, war ich Mitte 30. Sie wuchsen mit all dem auf, was für mich und die Generation vor mir neu war.  Ich hörte 8jährige fragen:“Habt ihr Netflix oder Prime?“  und „ Kann ich euer WLAN-Passwort haben, damit ich meine WhatsApp Nachrichten lesen kann?“.  Da wurde ich das erste Mal hellhörig. Beim weitern Eintauchen in das  Thema „digitale Welt und Kinder“ offenbarten sich einige Schattenseiten. Als auch andere Fragen von Kindern in dieser Alterklasse an mich herangetragen wurden, wurde mir das Problem schlagartig klar: Unsere Kinder wachsen in eine Welt hinein, die viele Eltern nicht kennen, und auch nicht kennen wollen. Weil sie eben damit nicht aufgewachsen sind. Weil sie die Technik überfordert. Weil sie verloren sind im Google, WhatApp, Snapchat, Facebook, Twitter, Instagram und Youtube Dschungel. Weil sie dadurch z.B. Cybermobbing nicht verstehen und als „ist doch nur im Internet“ abtun. Weil sie ihre Kinder zwar in der realen Welt gut anleiten, aber in der virtuellen nicht. Zusätzlich ist Mobbing da wie dort ein Thema. Unsere Kinder brauchen unsere Begleitung,  müssen stark und selbstbewusst sein, um sich in beiden Welten gut zurechtzufinden.  Helfen wir ihnen dabei!

Begriffserklärungen, sicherheitshalber 🙂

Walkman: tragbares Abspielgerät für Musik
Kassetten: Tonträger zur analogen und elektromagnetischen Aufzeichnung und Wiedergabe von Tonsignalen
Fernschreiber: Telegrafie-Gerät zur Übermittlung von Nachrichten
Pager: kleines, tragbares Gerät zum Nachrichtenempfang

2 Kommentare zu „Mein Leben in der analogen und digitalen Welt

  1. Der Blog liest sich ganz interessant, habe auch Kinder, mein ältester Sohn ist 8 Jahre alt und natürlich wächst auch er in und mit dieser digitalen auf. Was aber kann man wirklich antworten, wenn es um persönliche Daten geht, „ich möchte nicht das mein Foto on ist!“
    z.B.?

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    1. Hallo Bastian, ich hoffe ich verstehe es richtig: Du meinst, wenn das Kind bezüglich persönliche Daten fragt? Keinesfalls öffentlich Dinge wie Telefonnummer oder Adresse oder solche Dinge bekannt geben. Privateinstellungen gut setzen und darüber sprechen, welche Fotos gepostet werden. Meine Tochter ist 10, hat noch keine Apps, weiß aber zb dass sie nicht einfach so jemand fotografieren, und schon gar nicht irgendwo hochladen dürfte (DSGVO). Ganz sicher werden meine Kinder irgendwann mal Fotos von sich machen und ins Internet stellen. Ich werde am Anfang aber dabei sein. Nicht um sie zu kontrollieren, sondern um sie zu begleiten 🙂 Danke für dein Feedback, lg Sabine

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